Verdi kritisiert Real-Zerschlagung: „Noch immer sind tausende Angestellte im Ungewissen und haben Zukunftsangst“

Das Drama um die Zerschlagung der SB-Warenhauskette Real geht auch im neuen Jahr weiter. Während Kaufland nach der Genehmigung durch das Kartellamt bereits zum Februar beginnt, 13 der insgesamt 92 Real-Standorte und deren rund 12.000 Beschäftigte von SCP zu übernehmen und die Märkte umzubauen, ist die Zukunft von rund 100 Real-Standorten sowie der dort Beschäftigten noch immer ungeklärt.

Denn die Entscheidung der Wettbewerbshüter zu dem Kauf von 72 Filialen durch Edeka steht noch im Januar aus. Globus dürfte potenziell 24 Märkte übernehmen. Der mittelständische Händler hat jedoch noch nicht klar verkündet, ob er genau diese Anzahl tatsächlich kaufen wird. Dies wären insgesamt 188 Märkte, die durch andere Handelsketten übernommen werden könnten. Es kann jedoch von Doppelnennungen ausgegangen werden, da einige Standorte auf der Wunschliste mehrerer Händler stehen. 

Zieht man von den ursprünglich 279 Real-Märkten die Schließung von 15 Filialen ab und die 188 potenziellen Übernahme-Märkte — ausgehend von der Prämisse, dass tatsächlich alle Käufer diese Anzahl übernehmen — bleiben immer noch 76 Standorte übrig. Wie die „Lebensmittelzeitung“ am Freitag berichtete, sei bei dem Eigentümer SCP sogar nur die Rede von einem Verkauf von bis zu 150 Märkten im Jahr 2021 an andere Händler. Demnach stehe die Zukunft von sogar bis zu 100 Standorten noch auf dem Spiel.

Tausende Real-Mitarbeiter haben Zukunftsangst

„Es sind immer noch mehrere tausende Real-Angestellte im Ungewissen, wie es für sie weitergeht. Sie haben Zukunftsangst“, kritisiert deshalb Stefanie Nutzenberger, Mitglied im Bundesvorstand und Leiterin des Fachbereichs Handel bei der Gewerkschaft Verdi. Um die Zukunft der Real-Mitarbeiter ist es in den vergangenen Monaten still geworden im öffentlichen Diskurs, stattdessen ging es häufig um den Deal mit Kaufland.

„Bisher gibt es keine Positionierung der weiteren Kaufinteressenten zur Absicherung der Beschäftigten“, kritisiert Nutzenberger. Während Kaufland bereits im September vor der Genehmigung des Kartellamtes zusicherte, wenn möglich alle rund 12.000 betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne Unterbrechung zu übernehmen und wieder nach den Verdi-Flächentarifverträgen zu bezahlen, gibt es seitens Globus und Edeka noch keine Informationen über die Zukunft der Real-Angestellten. 

Stefanie Nutzenberger

Der Edeka-Verbund etwa ist geprägt von mittelständischen und genossenschaftlichen Strukturen, die einzelnen Märkte werden also nicht alle über eine Zentrale gesteuert, sondern über eigene Regionalgesellschaften und selbstständige Franchisenehmer. Für jene Real-Angestellten, die bei einem Kauf übernommen werden sollten, ist es noch völlig offen, ob sie bei selbstständigen Kaufleuten landen. Bei diesen seien die Arbeitsbedingungen laut Nutzenberger in der Regel schlechter, da es dort oft keine Tarifbindung und Betriebsräte gäbe. Darüber verschaffen sich selbstständige Kaufleute Wettbewerbsvorteile gegenüber jenen, die sich an Tarifverträge halten.

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